|
Aus
der 75-jährigen Geschichte des Heimatbundes Emsdetten VON
ERNST WIXMERTEN Der
Erste Weltkrieg war verloren. Der Kaiser hatte abgedankt und war in die
Niederlande gezogen. Weltbilder waren zusammen gebrochen. Die
wirtschaftliche Lage war schwierig bis katastrophale. Die Bedingungen des
Versailler Vertrages waren hart. Eine Besserung schien nicht in Sicht.
Da
riefen einige beherzte Emsdettener dazu auf, sich insbesondere um die
engere Heimat zu konzentrieren, die es ja noch gab und die es zu erhalten
galt. Die ,,Antochmakers" riefen in der Emsdettener Volkszeitung dazu
auf, einen Heimatbund in Emsdetten zu gründen. Dieser
Aufruf war gut vorbereitet. Für
den 6. Juli1919 wurde ein plattdeutscher Abend mit den westfälischen
Dichtern Wagenfeld und Dr. Castelle organisiert. Am 11. Juli1919 fand dann
die eigentliche Gründungsversammlung statt. 60 Emsdettener und
Emsdettenerinnen schlossen sich zum Heimatbund Emsdetten zusammen. Seine
Ziele sollten sein: 1.Pflege
der Heimatgeschichte, der Legenden und Sagen, der alten Bräuche und
Sitten; liebevolle Beschäftigung mit der heimischen Tier- und
Pflanzenwelt. 2.Pflege
der Naturdenkmäler, Schutz der Eigenart des Dorf- und Landschaftsbildes,
Schutz der aus früheren Zeiten übernommenen Straßen- und Flurnamen. 3.Pflege
der heimischen Literatur, Darbietung von Lebensbildern und Dichterwerken
westfälischer Dichter mit besonderer Berücksichtigung der plattdeutschen
Poesie. 4.Veranstaltungen
von Volksunterhaltungsabenden unter Herziehung der führenden Männer und
Dichter auf dem Gebiete der Heimatbestrebung. Zum
1. Vorsitzenden wurde der Rektoratschullehrer Peter Funcke gewählt, zu
dessen Stellvertreter der Buchhändler August Holländer, zur Kassiererin
die Lehrerin Klara Spaning und zum Schriftführer der Kaufmann August
Beckmann. Beisitzer wurden der Gutsbesitzer August Bisping-Hanhoff, Frau
Paula Epping, der Fabrikarbeiter Albert Lüke, der Kaufmann
Heinrich Meyer, der Buchhändler Martin Robert und der Fabrikant Stefan
Schilgen. So
waren von Anfang an alle Stände im Vorstand vertreten, ohne daß man sich
um Satzungsfragen weiter gekümmert hätte. Für zunächst 2 Mark
Jahresbeitrag sollte und konnte jeder Mitglied werden. Erst als im Jahre
1922 eine Satzung vonnöten war, um als gemeinnütziger Verein von der
Vergnügungssteuer befreit zu werden, schusterte der Vorstand eine Satzung
zusammen, die jedoch wohl nie einer Generalversammlung vorgelegen hat: Satzung
des Heimatbundes Emsdetten 1.
Der Heimatbund erstrebt die Pflege der Heimatgeschichte, Sagen, der alten
Gebräuche und Sitten. Liebevolle Beschäftigung mit der heimischen Tier-
und Pflanzenwelt. 2.
Pflege der Naturdenkmäler, Schutz der Eigenart des Dorf- und
Landschaftsbildes, Schutz der aus früheren Zeiten übernommenen Straßen-
und Flurnamen. 3.
Pflege der heimischen Literatur, Darbietung von Lebensbildern und
Dichterwerken westfälischer Dichter mit besonderer Berücksichtigung der
plattdeutschen Poesie. 4.
Der Verein hat 10 Vorstandsmitglieder, die ihren Posten ehrenamtlich
versehen. Der Beitrag für das laufende Geschäftsjahr wird jeweils vom
Vorstand festgesetzt (In diesem Jahre 1922 beträgt er M 10,-) Überschüsse
des laufenden Geschäftsjahreswerden für obige Vereinsziele, mit
besonderer Berücksichtigung des Heimatortes Emsdetten verwandt. 5.
Es steht dem Amtmann von Emsdetten jederzeit frei, Einsicht in die
Kassenverhältnisse des Vereins zu nehmen und die Vereinsabende
unentgeltlich zu besuchen. 6.
Zur Erstrebung obenbezeichneter Ziele wünscht der Heimatbund, in
besonderer Fühlungnahme mit der politischen und kirchlichen Behörde zu
stehen zum Segen von Heimat und Volk, Kirche und Vaterland. Emsdetten,
den 1. Februar 1922
gez. P. Funcke
1.Vorsitzender Nachtrag
zu den Satzungen des Heimatbundes Emsdetten
vom 1. Februar 1922 Bei
Auflösung des Heimatbundes sind etwa noch vorhandene Vermögenswerte der
Gemeinde zur Verschönerung des Ortes zu überweisen. Emsdetten,
den 22. März 1922
Der Heimatbund
gez. P. Funcke
1.Vorsitzender Allein
im ersten Vereinsjahr veranstaltete der Heimatbund neun Vorträge, davon
zwei Abende mit dem Heimatschriftsteller Karl Wagenfeld. Cäcilienchor,
gemischter Chor, Gesangverein Sängerlust und später auch der Männer-Gesang-Verein
Emsdetten beteiligten sich an der Gestaltung dieser Abende. 12
Ausgaben der Emsdettener Heimatblätter unter der Schriftleitung von Peter
Funcke und August Holländer konnten dank der Mithilfe des Verlages Lechte
herausgegeben werden. Nach
einer Eingabe an die Gemeinde Hembergen wurde eine Kommission gebildet,
die später mehreren Straßen ihrer altüberlieferten Namen wiedergab. So
wuchs der Verein bereits im ersten Jahr auf 217 Mitglieder. 102
Einzelpersonen und 115 Familien waren dem Heimatbund beigetreten. In
den nächsten Jahren blieb die Zahl der Mitglieder in etwa gleich hoch. So wuchs die Zahl der Mitglieder in den 75 Jahren stetig an. |