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„Heimat“
im Wandel der Zeit …? 3.
Teil Ehemalige Mitbürger
haben sich auf Wunsch des Heimatbundes in zahlreichen Briefen zu dem Thema
„Heimat“ geäußert. Besonders erfreut war
ich, dass Alfred Meyer aus der Schweiz bei einem seiner Heimaturlaube den
Heimatbund aufsuchte und in einem persönlichen Gespräch mit mir ausführlich
Gedanken zur „Heimat“ austauschte. Beruflich viel gereist, schilderte
er, welchen Bezug die Bürger in anderen Ländern zu ihrer „Heimat“
haben. Keine andere Sprache kennt eigentlich das Wort „Heimat“,
gleichwohl ist das Gefühl für „Heimat“ überall in der Welt stark
ausgeprägt. Er berichtete, welche Probleme er habe, sich schriftlich mit
dem Thema auseinander zu setzen. Gedanken und Gefühle an seine
Jugendzeit, sowie Erinnerungen an seine Heimatstadt Emsdetten seien ihm
durch den Kopf gegangen. Mit einem leichten Zwingern sagte er: „Ich
konnte Nachts sogar nicht schlafen…!“ Auf diesem Wege nochmals ein Dankeschön an Alfred Meyer für das anregende und
leidenschaftliche Gespräch verbunden mit herzlichen Grüßen aus
Emsdetten. Häufiger Gast in
seiner Heimatstadt ist Walter Haverkamp. Mit der Walter Haverkamp
schreibt: „Die Tatsache, dass ich mich als Mitglied des Heimatbundes mit
meiner geliebten plattdeutschen Heimatsprache Jahr für Jahr mit Freuden
zur Verfügung stelle, sagt sicherlich schon einiges über meine
Einstellung zu meiner ersten Heimat aus (…wenn es überhaupt eine zweite
Heimat geben sollte!?) Du hattest ja in
Deinem Anschreiben bereits viele treffende Wort aus dem Bereich
„Heimat“ erwähnt: „Ort der Erinnerung, Sehnsucht nach Vertrautem
und Geborgenheit, Beständigkeit und festen Wurzeln“, alles Kriterien,
die auch für mich zutreffend sein dürften. Für mich, der ich ja
der Heimat den Rücken gekehrt habe und in der „Fremde“ wohne, ergibt
sich jedoch ein besonderer Stellenwert zu meinem Geburtsort. Wer, so wie
ich, auf eine erfüllte Kindheit und Jugendzeit an diesem Ort zurückblicken
kann -wenn auch unter Kriegsbedingungen-, der entwickelt eine nachhaltige
Verbundenheit durch prägende Erlebnisse in der damaligen Zeit. Ich erfuhr meine
berufliche Ausbildung in Köln (6 Jahre), meine erste dienstliche
Anstellung in Werne a.d.Lippe (8 Jahre) und schließlich als (vorläufige)
Endstation Meinerzhagen im Sauerland (bisher 40 Jahre). Die Entfernung
Meinerzhagen-Emsdetten ist bei entsprechender Mobilisierung als unbeträchtlich
einzustufen, so dass sich ein Besuch meiner Heimatstadt sehr kurzfristig
ermöglichen lässt und ein Gefühl von Heimweh wenig Aussicht auf Bestand
hat. Ich hoffe, hier ein
zulässiges Maß an Intimität preiszugeben, wenn ich einen Gang durch die
Innenstadt Emsdettens als „herzlich wohltuend“ bezeichne, dagegen den
Gang durch die Fußgängerzone in Meinerzhagen als „ökonomisch
notwendig“. Da ich als
„mobiler“ Mensch aber auch gerne an weiter entfernten Plätzen weile
-Ingolstadt und Saarbrücken als Wohnort meiner Kinder und Kindeskinder,
Bad Zwischenahn als altvertrauter, pflichtmäßiger, über fünfzigmaliger
Urlaubsort- so stehe ich vor der
Notwendigkeit, eine Rangfolge aufzustellen in der Verbundenheit mit
anderen pseudo-heimatlichen Gefilden. Wie du siehst, ist das
Wort „Heimat“ für mich schon ein sehr komplexer Begriff. Lass mich zum Schluss
noch auf Kriterien eingehen, mit denen die Liebe zur Heimat nicht
treffender auszudrücken ist, nämlich mit Liedern und Gedichten. Die Kölner (ich habe
während meiner Studienzeit die „kölsche Mundart“ kennen und schätzen
gelernt) haben dies mit einem Lied geschafft, dessen Text wie folgt
lautet: Dieses Lied drückt,
auch durch seine ergreifende Melodie, eine so tiefe Sehnsucht nach der
„Heimat“ aus, dass im 2.Weltkrieg das Abspielen des Liedes durch Adolf
Hitler verboten wurde, wegen „wehrkraftzersetzender“ Wirkung bei den kämpfenden
Truppen. In Anlehnung an dieses
Lied habe ich mir erlaubt ein „Riemsel“ in Limerick-Form zu
„schmieden“, das meine Gefühle gegenüber der Heimat, hier besonders
der plattdeutschen Sprache, ausdrückt: Ende des Zitates aus
dem Brief von Walter Haverkamp. Lieber Heimatfreund
Walter, obwohl wie du schreibst, eine ausführliche Stellungnahme zum
Thema „Heimat“ in unantastbare menschliche, um nicht zu sagen, intime
Lebensbereiche eingreift, sind wir für deinen wertvollen Beitrag dankbar
und wünschen uns für die Zukunft noch viele gemeinsame Begegnungen im
Kreise des Heimatbundes. Herzlichen Dank! Post erhielt der
Heimatbund auch aus Australien. Im Auftrag seines Bruders Er schreibt: „Als
ich im Oktober 1956 auf der „Castel Felice“ Cuxhaven verlies, hatte
ich auf keinen Fall eine vollständige Vorstellung von dem Begriff
„Heimat“, denn ich hatte Deutschland nie verlassen, obschon durch zwei
Kinderlandverschickungen und zwei Fluchten aus dem östlichen Deutschland Man merkte natürlich
sofort, dass auch hier in Australien die Menschen mit einem Kopf zwischen
zwei Ohren und Augen und Nase und Mund herumliefen, dass sie miteinander
sprachen, zueinander gehörten, arbeiteten, spielten, tranken und aßen,
und so war sofort eine Wesensverwandtschaft da, mit der man sich vertraut
machen konnte. Das Schlimmste für mich war die fast vollständige Unfähigkeit,
mich zu verständigen oder etwas zu verstehen. Der Straßenverkehr auf der
linken Seite, die Frauen und Männer fast überall in den öffentlichen
Einrichtungen, so zum Beispiel Kneipen, immer getrennt. Der Fußball wurde
mit eirigen Ball gespielt, Sportarten wie Tennis, Kricket, Rugby, Polo
alle mehr oder weniger jedem zugänglich. Von den unterpriviligierten
eingeborenen schwarzen Australiern war nicht viel zu sehen, es sei denn,
man kam in gewisse Slums. Dort war ihr elendes Dasein klar erkenntlich.
Durch meine Arbeit im olympischen Dorf während der Spiele und noch einige
Monate danach, hatte ich Kontakt mit den deutschen Köchen und Konditoren.
Im Lager waren noch andere deutsche Familien untergebracht, aber niemand
aus Emsdetten. So ging es natürlich mit der Verständigung sehr gut, aber
das Bewusstsein, dass man im Alter von 22 Jahren als total unwissendes
Kleinkind in ein fremdes Milieu „hineingeboren“ wurde und sich dessen
voll bewusst war, traf mich doch sehr tief. Das erste Bedauern und die
erste Reue über die Auswanderung begannen sich zu regen. So war für die
ersten Jahre nicht von einer neuen „Heimat“ zu reden. Das Heimweh nahm
einen gefangen. Wie schon damals während der unruhigen Zeit in
Deutschland, litt ich sehr darunter. Es war aber an eine
Heimkehr demnächst nicht zu denken -es war einfach kein Geld dafür da-! Man wurde älter, die
ersten schweren Berufsjahre gingen vorbei, die Sprache wurde mehr oder
weniger perfekt erlernt. Und dann begann eine kaufmännische Karriere, auf
die ich durch meine Ausbildung in Deutschland vorbereitet war. Bald merkte
man, dass auch hier die gleichen Geschäftsprinzipien herrschten und
galten. Die Währung und die Masse waren anders, aber als junger Mensch
lernt man so etwas schnell. Diejenigen Einwanderer, die es schwer fanden
sich einzuschulen, oder die es nicht wollten, blieben immer Fremde,
wenigsten in ihrer Einschätzung. Dann wurde der Deutsche Klub in
Melbourne entdeckt, man trat dem Männerchor bei, man lernte Autofahren
und war in der Lage, für sich selbst und später für die junge Familie
(am Ende 9 Kinder) das Land zu eröffnen und zu entdecken. 1976 kam die erste
Heimreise nach Deutschland und nur so konnte man das nagende Heimweh überwinden.
Wie heißt es im Lied: „Die alten Straßen noch, die alten Häuser noch,
die alten Freunde aber sind nicht mehr“. Ich habe in Emsdetten sofort
eines gelernt, diese alten Lieder sind eben alt! Die alten Straßen waren
teils umgelegt, erweitert, fast unerkennbar, die alten Häuser waren
vielerorts abgebrochen und moderne Strukturen an ihre Stelle gesetzt, aber
die alten Freunde waren noch da. Man erwartet ja doch Änderungen nach 20
Jahren, aber wie schön war es, die Freunde bis auf einige wenige wieder
zu sehen. Da wurde es mir bewusst, dass es hier nicht um Häuser und Straßen
geht, sondern um diejenigen, die mit uns die „Heimat“ erlebt hatten,
die unser Schicksal geteilt hatten und die uns unabkömmlich geworden
sind. Aber es war auch schön, das man sich wieder kennen lernen konnte,
die neuen Familien, die geschaffen wurden, die uns zeigten, dass unsere
„Heimat“ ein Zustand, nicht ein Ort ist. Es war mir entschieden
leichter, mein Leben in Australien weiterzuleben, mit erneutem
Briefwechsel und Versprechen des weiteren Besuches positiver zu gestalten,
so dass ich Grund fand, die Heimatsprache weiter zu pflegen, den Umgang
mit deutschsprachigen Menschen weiter zu suchen, auch mich der weiteren
Welt weiter zu erschließen, denn Gott hat uns doch alle auf diesen
Planeten gesetzt, damit wir eine Familie unter seinem Hut und unter seinem
Gesetz sein sollten. So ist ja doch wohl schließlich und letzten Endes
die ganze Erdkugel unsere „Heimat“! Herzlichen Dank und
heimatliche Grüße aus Emsdetten an Familie Roleff. -Fortsetzung und
Abschluss in der nächsten Ausgabe der Heimatblätter- |