Historische Karte von 1597
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Begleittext zur Karte
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Karte 1597 (Staatsarchiv Münster, Kartensammlung A 20019) Bericht
Am 6. März 1597 kam der Maler Nikolaus tom Ring mit drei Gesellen von Münster nach Emsdetten, um das hiesige Gelände zu erkunden und die Vorbereitungen zur Zeichnung einer Karte zu treffen. Diese Karte wurde dann tatsächlich als kolorierte Zeichnung erstellt und gelangte später in die Aktenbestände des Staatsarchivs in Münster. Zusammengefaltet lag sie dort zwischen schriftlichen Aufzeichnungen jahrhundertelang und unbeachtet. 1980 nahm ein Archivar beim Durchsehen alter Aktenbestände die Karte heraus und ließ sie im Staatsarchiv fachmännisch restaurieren. Anschließend wurde die Karte nicht mehr zusammengefaltet, sondern sorgfältig in der sogenannten Kartensammlung archiviert. Ein einziges Mal, 1996, fand sie in einem Aufsatz von Hans Jürgen Warnecke kurze Erwähnung in dessen Abhandlung über „Die tom Rings als Kartenzeichner". Danach verschwand sie wieder in die Vergessenheit, in Emsdetten, dem Ort des historischen Geschehens vollkommen unbekannt. Zu dieser Karte nun einige Ausführungen. Der Maler Nikolaus tom Ring entstammt der berühmten Malerfamilie, deren Stammvater sein Großvater Ludger der Ältere war. Ludger wurde 1496 geboren und war seit etwa 1520 Meister in Münster. Sein ältester Sohn Hermann wurde sein Schüler und ebenfalls ein bedeutender Künstler. Dieser Hermann war der Vater unseres Nikolaus, der als sein achtes Kind 1564 geboren wurde. 1590 trat er in die Münstersche Malergilde ein und war dort zeitweise Gildemeister. Er starb 1622. Zwar erreichte Nikolaus nicht die Bedeutung seines Vaters und Großvaters, hat aber doch einige Werke geschaffen, die bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben sind. Dazu gehören mehrere Altartafeln in Münster. Sie sind im Landesmuseum, im Rathaus und in der Ludgerikirche zu finden. Einige Bildnisse befinden sich in Privatbesitz. Ein Bruder von Nikolaus, der zwei Jahre ältere Hermann, weist übrigens auch eine Beziehung nach Emsdetten auf. Als Goldschmiedemeister in Münster war er der „Lehrherr" des Emsdetteners Heinrich Fleige, der von 1606 bis 1612 bei ihm das Goldschmiedehandwerk lernte. Historischer Hintergrund Seit dem Jahre 1400 war Emsdetten Bestandteil des Stifts Münster. Der Bischof von Münster war der Landesherr. Von allen Adelshäusern im Münsterland leisteten die Edelherren von Steinfurt den Bischöfen von Münster den größten Widerstand. Jahrhundertelang gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen diesen Parteien. Ein Grund dieser Auseinandersetzungen war der sogenannte Beifang Ahlintel. Die Steinfurter beanspruchten die Bauernschaft Ahlintel und Oberhollingen als Teil ihres Herrschaftsgebietes, in dem der Bischof von Münster keine hoheitlichen Rechte ausüben dürfe. Dieser Streit führte im Jahre 1597 zu einer Eingabe beim Reichskammergericht in Speyer, was den Streit aber letztlich auch nicht beilegen konnte. In unserem Zusammenhang ist nun interessant, daß die münsterische Partei zur Verdeutlichung ihres Anliegens eine Karte zeichnen ließ. Nikolaus tom Ring in Emsdetten Wie oben schon erwähnt, kam also im Auftrag von Münster der Maler Nikolaus tom Ring mit drei Gesellen nach Emsdetten. Die zuständigen „Verwaltungsbeamten" in Münster und Bevergern hatten dafür gesorgt. Der Emsdettener Vogt Bernd Möller genannt Goecke– zum heutigen Verständnis frei übersetzt: Bürgermeister – sorgte vor Ort für die Beköstigung der vier Männer aus Münster sowie des Rentmeisters aus Bevergern und veranschlagte dafür 29 Stüber. Aufgrund dieser Rechnung wissen wir überhaupt nur vom Eintreffen des Künstlers in Emsdetten. Nikolaus machte sich mit den Örtlichkeiten vertraut und ging später mit Notizen und einer Skizze an die Arbeit. Beschreibung der Karte Es handelt sich um eine kolorierte Zeichnung, 59 x 68 cm groß. Ein Augenschmaus für jeden ortsverbundenen Alt- oder Neu-Emsdettener. Sie ist nicht genordet, wie wir es heute gewöhnt sind, die vier Himmelsrichtungen sind aber klar gekennzeichnet. Wo wir heute Norden erwarten, also oben auf der Karte, ist ungefähr Süden. Ahlintel, Hollingen und das Dorf Detten sind darauf zu sehen. Der strittige Beifang ist mit grüner Farbe besonders gekennzeichnet. Er umfaßt Ahlintel und Oberhollingen. Die Namen der Höfe sind alle mit eingeschrieben: Westert, Kinneman, Berninck, Abelman, Kotkamp, Grote Spakinck, Lütke Spakinck, Hegeman, Kibbenbroick; Kruelinck; Hoff tho Lintel, Huesman, Schwerinck, Krumbeck, Kibbeke, Reckenuelde, Moller, Dreihuis, Werninck, Aueresch, Veltman, Denen. Dem Mühlenbach folgend, damals Krumbeke genannt, gelangen wir vom Zentrum der Karte ins Dorf, das unten links eingezeichnet ist. Die Pankratiuskirche ist zu sehen und ca. 20 rot eingezeichnete Häuser. In Wirklichkeit waren es freilich schon mehr. Deitmars Brook ist zu sehen, Deitmars Mühle, die Grafensteine und einiges mehr. Emsdetten in Karten Im Stadtarchiv Emsdetten liegen einige historische Karten, in denen Emsdetten in irgendeiner Weise vorkommt. Im Staatsarchiv Münster liegen noch weitere. Es sind in der Regel sehr kleine Ausschnitte aus der Gemeinde Emsdetten, vielfach nur die Beschreibung eines Weges oder Kottens. Erst das Urkataster von 1828 rückt den gesamten Ort ins Augenmerk. Um so bedeutender ist damit die Karte von 1597 anzusehen, die große Teile Emsdettens zeigt und zudem mit über 400 Jahren ein außergewöhnlich hohes Alter aufweist. Viele Orte dürften Emsdetten um eine solche Karte beneiden. |