Fantasien und Ängste

Jeder Ort hat seine Geschichte und erst recht seine Geschichten: Sagen, die oft auf geschichtliche Begebenheiten zurückgehen; Anekdoten, die treffend das Denken und Fühlen der Menschen am Ort beschreiben; Geschehen, die mancherlei Ängste aufarbeiten. Was aber bliebe von Münsterländer Erzählfreude, wenn die vergangene Welt nicht von Geistern, geheimnisvollen Wesen, von Spuk und sonstigen Merkwürdigkeiten nur so wimmeln würde! In den Geschichten am Herdfeuer oder in den Spinnstuben trieben allerlei merkwürdige Wesen ihr Unwesen: Der Teufel in vielerlei Gestalt, tanzende Hexen, Männer mit glühenden Schaufeln, der graue Mönch, der Teinuhrshund, der Mann ohne Kopf, der einäugige, klapperdürre Schneider mit dem Esel ohne Kopf, der Heidekönig, umhergeisternde Verstorbene, das Vienmörken und viele, viele mehr. Einige dieser Emsdettener Sagengestalten werden in dieser Schrift in Bild und Text vorgestellt.

Freude an der Fantasie, die mit dem Irrealen umgeht, und Spaß an dem kleinen Schauer, der über den Rücken kriecht, hat der Münsterländer in seinen Geschichten immer gemocht. Aber schaurig, unheimlich und merkwürdig sind die meisten Begebenheiten nur auf den ersten Blick; auf den zweiten offenbaren sie Sinn für verzwickte menschliche Situationen und einen feinen, verschmitzten Humor. Unter dem Mantel des Schauderns und Unwahrscheinlichen schauen oft Lebensweisheiten und recht vergnügliche Situationen hervor, die nicht das Zähneklappern, sondern das Schmunzeln zum Ziel haben.

                         Zur nächsten Figur                                                                 zurück zur Startseite